Es ist wieder PowerShell-Community-Konferenz-Zeit

Mein Bericht von der PowerShell Community-Konferenz 2015

Vom 22. bis 23.4.2015 fand in Essen die dritte PowerShell-Community Konferenz statt, die von PowerShell MVP Tobias Weltner und Holger Schwichtenberg/IT-Visions organisiert wurde. Als Ort hatten sich die Veranstalter den Konferenzsaal der Philharmonie in Essen ausgesucht. Ein schönes Gebäude in direkter Nachbarschaft zum Hotel, in dem das Abendessen stattfand, und an einem schönen Stadtpark gelegen, in dem am Mittag des zweiten Tages das obligatorische Gruppenfoto entstand. Essen ist nicht nur per Zug (trotz des Bahnstreiks kam die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer, die mit dem Zug angereist waren, offenbar pünktlich an – mein Zug fuhr am Dienstagvormittag beinahe auf die Minute pünktlich in Stuttgart ab und kam mit lediglich ein paar Minuten Verspätung in Essen an). Vom Bahnhof zum Veranstaltungsort sind es nur ca. 500 Meter (was für einige unter Umständen bereits eine größere Distanz darstellt) oder eine Station mit der U-Bahn.

Insgesamt hatten knapp 90 PowerShell-User den Weg nach Essen gefunden, eine erfreuliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Wenn man bedenkt, dass die Veranstalter kaum Möglichkeiten hatten für die Veranstaltung zu werben, muss es wohl in erster Linie an der Mund-zu-Mund-Proganda der Teilnehmer aus beiden Vorjahren gelegen haben.

Auch wenn mir die Namen der Teilnehmer nicht vorliegen (es wäre schön, wenn man auf der Webseite sehen könnte, wer teilgenommen hat) hatte ich das Gefühl, das viele neue
Gesichter zu sehen waren. Gleichzeitig habe ich auch ein paar Bekannte wiedergetroffen, die bei den letzten Konferenzen dabei waren.

Die Vorträge an den beiden Tagen waren eine gute Mischung aus Grundlagenthemen, „Experten-Themen“ und Spezialthemen. Die Referenten waren in erster Linie MVPs  („Most Valuable Professionals“) aus verschiedenen europäischen Ländern, PowerShell-Experten und Buchautoren aus Deutschland. Teilnehmer aus Österreich und der Schweiz waren, soweit ich es überblicken kann, wie in den letzten Jahren nicht vertreten. An der Anreise kann es nicht gelegen haben, denn der Konferenzort ist über den Flughafen Düsseldorf sehr gut erreichbar.

Der „Stargast“ der Konferenz war natürlich Bruce Payette aus dem PowerShell-Entwicklerteam in Redmond. Bruce ist der Kopf hinter der PowerShell-Skriptsprache und der Architekt (das „Brain“) der Desired State Configuration (DSC). In seinem Vortrag, den ich leider verpasst hatte, da ich zu dieser Zeit noch im Zug saß, ging er auf die Neuerungen der Version 5.0 ein, die mit Windows 10 am 29. Juli offiziell werden wird. Das Bemerkenswerte Detail in diesem Zusammenhang ist, dass es das WMF 5.0 auch für Windows Server 2008 R2 und Windows 7 geben wird. Dies ist eine sehr gute Entscheidung. Zum einen wäre eine weitere „Fragmentierung“ sehr ungünstig. Zum anderen enthält die neue Version so viele wichtige Verbesserungen, dass kein künstlicher Grund geschaffen werden sollte sie nicht zu installieren.

Ein weiteres thematisches Highlight war der Vortrag von Aleksandar Nicolic zum Thema JEA (Just Enough Admin) – oder wie man eingeschränkte Remoting-Runspaces einrichtet, damit Anwender, die keine Administroren sind, im Rahmen ihrer Remoting-Session nur die Befehle nutzen können, die sie nutzen sollen und nicht mehr. Dass es dabei durchaus auf die Feinheiten ankommt machte Aleksandar an einem Beispiel eindrucksvoll deutlich. Belässt man die Einstellung „LanguageMode“ (etwa beim New-PSSessionConfigurationFile-Cmdlet) auf der Einstellung „FullLanguage“, können über einen Scriptblock nach wie vor sämtliche Cmdlets ausgeführt werden. So wird es trotz guter Absichten leicht, Sicherheitslücken einzubauen. Das JEA-Toolkit, das bereits WMF 5.0 voraussetzt, soll das Einrichten sicherer Endpunkte narrensicher machen. Es ist bemerkenswert, dass es abgesehen von dem Umstand, dass es per DSC verteilt wird, auf Techniken aufbaut, die bereits seit der Version 3.0 dabei sind. Ich bezweifle allerdings, dass es im großen Stil eingesetzt wird. Zum einen ist PowerShell Remoting in den Unternehmen und Behörden hierzulande aus meiner Erfahrung selber noch ein Nischenthema, zum anderen können solche Maßnahmen nicht von einzelnen Admins umgesetzt werden. Solche Initiativen müssen durch den IT-Leiter des Unternehmens oder der Abteilung vorgegegeben werden, damit sie zur Standardvorgehensweise werden. Und daran dürfte es dann wieder scheitern und dazu führen, dass das JEA-Toolkit dann doch eher als „Bastellösung“ betrachtet wird.

Bartosz Bielawski zeigte, wie sich per PowerShell WMI und DSC nicht nur Linux Server, sondern auch Switches von Arista (und Cisco) administrieren lassen. Das Bemerkenswerte an der Demo war, dass Bartosz auf seinem Notebook einen virtuellen Avista-Router verwendete, der in Gestalt eines fertigen Images auf der Webseite des Herstellers zur Verfügung steht. Er hat das in einem Artikel für das PowerShell Magazine sehr schön beschrieben:

http://www.powershellmagazine.com/2014/09/02/omi-and-networkswitch-module/

Die Nennung der drei „PowerShell-Gurus“ soll auf keinen Fall die Vorträge der anderen (PowerShell) -Experten Ulrich Boddenberg, Thorsten Butz, Peter Kriegel, Holger Schwichtenberg, Holger Voges und Jeff Wouters in den Schatten stellen, die ausnahmslos alle sehr gut waren (ich war allerdings nicht bei allen Vorträgen dabei). Tobias führte zwischendurch eine neue Version seines ISE Steorids vor, die ebenfalls beeindruckend war. Und anderen können Dialogfelder mit WPF in Visual Studio designt und der resultierende XAML-Code direkt in die ISE übernommen werden.

Eine vollständige Übersicht über alle Vortragsthemen gibt es unter der folgenden Adresse:

http://www.powershell.de/powershell/konferenz/Agenda.aspx

Eine wichtige Zutat eine jeder Konferenz ist der Erfahrungsaustausch. Dazu gab es zum einen während der Pausen zwischen den Vorträgen, vor allem aber am Abend
viele Gelegenheiten. Das Abendprogramm bestand dieses Mal aus einem gemeinsamen Abendessen im benachbarten Hotel (die Veranstalter hatten sich mit der Currywurst, die ja ideologisch eher dem Ruhrgebiet zugeordnet wird, auch wenn sie bekanntlich in Berlin erfunden wurde, auf den kleinsten gemeinsamen Nenner der deutschen Küche beschränkt. Für mich als Vegetarier blieben eine reichhaltige Salatbar und die als Beilage gedachten Folienkartoffeln;).

Nach dem Abendessen ging es ab 21 Uhr in einem kleinen Nachbarraum des Restaurants weiter. Zunächst mit einer Verlosung. Danach beantworte Bruce im Stehen geduldig alle Fragen, die an ihn gerichtet wurden. Dabei erfuhren wir unter anderem wie es zu der Variable $_ gekommen war. Bruce sprach: Das Zeichen _ soll eine „drunken pipe“ symbolisieren, also ein umgekipptes Pipeline-Symbol.

Ich habe die kleine „Offenbarung“ der PowerShell-Gemeinde auf einem Video festgehalten. Um halb elf war Schluss, wer Lust und Ausdauer hatte, konnte im Restaurant
Platz nehmen und den Abend mit alkoholischen Getränken ausklingen lassen.

Mein Vortrag am zweiten Tag ging um das Thema „Management OData“. Es ging konkret um die Frage, wie sich beliebige Cmdlets und Functions über OData-Webservices und damit über eine URL ausführen und die zurückgegebenen Daten weiterverarbeiten lassen. Solche Aufrufe werden nicht im Allgemeinen nicht Browser oder per PowerShell durchgeführt, sondern von einem mobilen Gerät aus, auf dem keine PowerShell läuft, etwa ein SmartPhone mit Android als Betriebssystem oder ein Rasberry Pi, auf dem Linux äuft. Solange sich auf dem Gerät Http-Aufrufe absetzen und Rückgabewerte im XML- oder JSON-Format auswerten lassen, können von diesem Gerät beliebige PowerShell-Cmdlets und -Functions auf einem Server ausgeführt werden.

Bei meinen Recherchen hatte ich den Eindruck, dass das Thema Management OData bei Microsoft inzwischen wieder „tot“ ist. Als ich Bruce am Ende meines Vortrags
direkt danach fragte erhielt ich als Antwort, dass Management OData in Zukunft sehr wichtig werden wird. Wenn ich ihn oder er mich (möglicherweise hatte er nur OData verstanden, das durch die Export-ODataEndpointProxy-Function tatsächlich deutlich aufgewertet wird) nicht falsch verstanden habe, ist das eine gute Nachricht, da in dem Thema sehr viel Potential steckt.

Nachdem mein Vortrag kurz vor 18 Uhr zu Ende war, war damit auch die die dritte PowerShell Community-Konferenz zu Ende, die allen Beteiligten wieder sehr viel „Stoff“
für die nächsten Monate verabreicht hat. Insgesamt war es eine überaus gelungene Konferenz.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlickeit wird es 2016 wieder eine PowerShell-Konferenz geben. Der Termin dürfte Anfang 2016 auf www.powershell.de und www.pauaschell.de bekannt gegeben werden.

Hier sind ein Fotos von mir:
[Best_Wordpress_Gallery id=“1″ gal_title=“PS Community Konferenz 2015″]

Etwas bessere Fotos gibt es, inklusive des offiziellen Gruppenfotos, unter www.pauaschell.de.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.